Peter Bierl: Verschwörungsideologie

Die Legende von den großen Strippenziehern
Vortrag | Fr., 6. Juli - 19.30 Uhr | MACH-Festival 2018


Xavier Naidoo sang von „Baron Totschild“, eine Verballhornung von Rothschild, der Zielscheibe aller Antisemiten seit zweihundert Jahren. Nationalisten und Rassisten fabulieren, hinter der Flucht von Millionen von Menschen vor Elend und Not, Folter und Krieg, Klimawandel und Umweltzerstörung stecke ein geheimer Plan, ein „großer Austausch“ der Bevölkerung, eine islamische Unterwanderung.

Verschwörungstheorien haben Konjunktur, weil sie einfache Erklärungen bieten. Das Angebot ist vielfältig. Ufos, Chemtrails, die heimliche Herrschaft von Echsen und Illuminaten, die Protokolle der Weisen von Zion. Mondlandung und Klimawandel gelten als Schwindel. Und es gibt tatsächlich Verschwörungen: Von Catilina im alten Rom bis zu Watergate oder Parteispendenaffären. Der Verfassungsschutz sprengte ein Loch in die Außenmauer des Gefängnisses von Celle und schob die Tat der RAF in die Schuhe. Nicht aufgeklärt sind das Oktoberfestattentat oder die Rolle deutscher Geheimdienste bei der Mordserie des NSU.

Für viele Vorfälle, etwa den Diesel-Abgasskandal, gibt es Verantwortliche, die zu benennen wären. Grundlegende gesellschaftliche Widersprüche und Probleme haben jedoch strukturelle Ursachen. Dagegen favulieren Verschwörungstheoretiker von anonymen finsteren Mächte: Korrupte Politiker, volksferne Eliten, gierige Börsianer, zuletzt kommt meist die jüdische Weltherrschaft.

Der Journalist Peter Bierl setzt sich mit aktuellen und historischen Verschwörungslegenden auseinander und versucht ein paar Antworten auf deren Attraktivität zu geben.

Bierl ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005) und schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, taz und Jungle World.